Eine echte Großmeis­terin im Taekwondo

Kerstin Hamacher hat in der korea­ni­schen Kampf­sportart den 8. Dan erreicht. Als erste Frau in Deutsch­land hat sie diese Prüfung abgelegt. Seit 1989 trägt sie den schwarzen Gurt

In der korea­ni­schen Kampf­sportart Taekwondo sind Frauen keine Selten­heit mehr. Doch Großmeis­terin Kerstin Hamacher aus Frillen­dorf ist eine sport­liche Ausnahme: Ende 2021 legte die FUNKE-Verlags­­­kauf­­frau, die in Rütten­scheid Schüle­rinnen und Schüler trainiert, in Bayern die Prüfung zum 8. Dan bei der Deutschen Taekwondo Union ab. Außer ihr hat bisher keine weitere Frau in Deutsch­land die Prüfung zum zweit­höchsten Taekwondo-Meister­­grad absolviert.

Den schwarzen Gürtel über dem weißen Kampf­anzug erarbei­tete sich die gebür­tige Kettwi­gerin schon 1989: Da war sie 17 und schaffte die Prüfung zum 1. Dan im Taekwondo . Und seit dem Errei­chen des 5. Dans in 2004 ist die zierliche 50-Jährige offiziell Großmeis­terin. Zum Taekwondo, einer waffen­losen Selbst­ver­tei­di­gung, war sie 1984 als Jugend­liche gekommen. Zuerst habe sie mit Judo gelieb­äu­gelt, doch in ihrer Nähe wurde kein Kurs angeboten.

„Ich war schüch­tern als Kind und habe erst durch Taekwondo gelernt, mich durch­zu­setzen“, erzählt sie. So wie einige der Mädchen und Jungen, die sie seit 2005 im Stadt­teil­zen­trum Villa Rü in Taekwondo unterrichtet.

Seit 2013 wirkt Hamacher als Übungs­lei­terin beim Polizei-Sport­­verein Essen 1922 (PSV). Zweimal in der Woche vermit­telt sie mit spürbarer Freude ihr hart erkämpftes Wissen an andere. In einer Abtei­lung, die sie aufge­baut hat. „Wir bilden keine Schläger aus“, betont sie. Im Fokus stehe, sich bei einem Angriff mit oder ohne Waffen durch gezielte Block‑, Schlag- und Fußtech­niken vertei­digen zu können.

Beim PSV-Training geht es in der Aula der Villa Rü nach dem Aufwärmen an die Schlag­polster oder an die sogenannte Grund­schule: „Hier werden Techniken perfek­tio­niert.“ 50 Sportler in drei Gruppen finden sich in Rütten­scheid nachein­ander ein, wo sie Hamacher unter ihre Fittiche nimmt. Ausdauer, Ehrgeiz und Selbst­dis­zi­plin brachten die Essenerin von 2000 bis 2015 in den Landes­kader Nordrhein-Westfalen.

Danach betrieb sie bis heute mit Leiden­schaft ihr liebstes Hobby nur noch im Breiten­sport. Als jahre­lange Übungs­lei­terin für verschie­dene Vereine hat sie nach Feier­abend schon unzäh­lige Stunden Taekwondo-Schüler unter­richtet. Vor allem den Frauen und Mädchen ist die erfolg­reiche Kampf­sport­lerin ein Vorbild.

Sport­lerin ist ein Vorbild – vor allem für Frauen und Mädchen

Fürs eigene Training fährt sie seit 2010 einmal wöchent­lich zum Taekwondo im SV Bayer nach Wuppertal, wo sie geeig­nete Sparrings­partner fand. Zielstrebig arbei­tete sie sich schritt­weise durch die anspruchs­vollen Dan-Prüfungen, bis sie im Dezember 2021 den 8. Meister­grad schaffte. Damit hat sie mittler­weile achtmal die Schwar­z­­gurt-Prüfung erfolg­reich absol­viert. Im November 2015 hatte Hamacher den 7. Dan erkämpft. „In einer sogenannten Skip-Dan-Prüfung, wodurch der Meister­grad weltweit anerkannt ist.“

Zur Prüfung gehört das Zerschlagen eines Brettes

Mit Fabian Nocke (25) und Maximi­lian Radema­cher (20), beide sind ihre Schüler, reiste die Kampf­sport­lerin Ende 2021 ein Wochen­ende nach Dillingen an der Donau. Vor den bayeri­schen Kampf­rich­tern bewies sie ihre Kampf­fer­tig­keiten und erntete auch von den zuschau­enden Sport­lern in der Halle viel Lob. „Einige waren sehr beein­druckt und haben mir im Anschluss gleich gratu­liert“, berichtet sie stolz. Seitdem trägt sie den 8. Dan glück­lich in der Tasche.

Wie üblich im Taekwondo führte sie den Richtern ein einstu­diertes Programm mit festen Bewegungs­ab­läufen vor. In zwei sogenannten Formen kämpfte sie gegen unsicht­bare Gegner. Dann folgten eine Partner­übung, eine Selbst­­ver­­­tei­­di­­gungs-Choreo­­grafie sowie ein Spezial-Bruch­­test: Sie zerschlug ein andert­halb Zenti­meter dickes Holz. Denn das Zerhauen von Brettern müssen die Träger höherer Grade ebenfalls beherrschen.

Hierzu brauche man Schnel­lig­keit, Technik und Kraft. Aber auch Genau­ig­keit und Konzen­tra­tion sind beim Bruch­test gefragt. Fünfmal pro Woche treibt die Großmeis­terin nach der Arbeit noch Sport. „Da bleibt kaum Zeit für anderes“, sagt sie.

Wie so oft im Leben ist der Weg das Ziel: Essens Taekwondo-Frau Nummer 1 will weiter, denn der 9. Dan lockt in acht Jahren, der höchste Grad der Kampf­kunst. „Was ich einmal angefangen habe, führe ich zu Ende.“ Und wenn sie mehr Zeit hätte? „Dann würde ich eine weitere Kampf­sportart erlernen, etwa Jiu-Jitsu oder Kung Fu.“

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